Hans Haid – Der Triathlet

Rate this post

Triathlet – in seinem Alter? Das ist er wirklich, der 1938 in Längenfeld geborene Hans Haid, der vielen auch als das sprachgewordene alpine Gewissen gilt:
Als das Gewissen, das den Auswüchsen des Tourismus, der Geldgier und Verbohrheit der Geldgierigen, aber auch der Poesie und der Stille der Berge einen Rahmen gibt.

 

Seine drei Disziplinen sind: die Volkskunde, die Bergbauernschaft und die Dichtung

 

gehüenooglt
orms maadele
gehüeschtet
schtrauka
orms maadele
olm sella
gehüeschte
eppan goor
a weag fiebr
grantenwossr
trinkn
oftr wöll
wearchte seahn
olm sella
güete granten
drhoamat
kimm decht
tüe a raschtle
hintrn ööfn
dinnan
margn ischt olles
güet
sall wöll
und nöa bussle
drau

=> Zum Nachhören

Auf Hoachdeitsch:

steif gefroren/
armes mädchen/
gehustet/katharrh/
armes mädchen/
immer solche/husterei/
etwa gar/ein wenig fieber/
preiselbeerwasser/trinken/
dann wohl/wirst du sehen/
immer solche/
gute preiselbeeren/daheim/
komm doch/raste dich aus/
hinter dem ofen/dort/
morgen ist alles/gut/das wohl/
und noch ein kuss/
drauf

 

Hans Haid: Ein Volkskundler von internationalem Format

Seine Arbeit, dokumentiert in einer Vielzahl von Publikationen und in Vereinigungen wie pro Vita Alpina, kreist um das Leben der Menschen in der alpinen Gebirgslandschaft, um ihre Geschichte, ihre Kulte und ihre Kultur und um die Gefährdung dieses Lebens. Er ist maßgeblich daran beteiligt, dass der alpine Raum nicht nur als Gebirgslandschaft wahrgenommen wird, sondern in zunehmendem Maße auch als Kulturraum. Der den Bewohnern ein natürliches, menschliches Leben ermöglicht, das sich nicht im Arbeiten und im Funktionieren erschöpft.

Seine  vor zwei Jahren verstorbene Gattin Gerlinde, gleichfalls Volkskundlerin und Musikwissenschaftlerin, erforschte am Mozarteum und an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst die alpine Volksmusik und trug maßgeblich zu ihrer Entdeckung und Erhaltung bei.

 

Der Bergbauer

Transhumanz – uralte Kulturwirtschaft. Foto: Whgler/Wikipedia

Transhumanz – uralte Kulturwirtschaft. Foto: Whgler/Wikipedia

In Vent bewirtschaftet Hans Haid den auf fast 1.700 m gelegenen Roalehof. Die Vielseitigkeit der alpinen Landwirtschaft beschreibt er anhand der „Transhumanz“, der Wanderweidewirtschaft in den Alpen: Seit Jahrtausenden werden Schafe aus dem Südtiroler Schnalstal ins Ötztal und wieder zurück getrieben. Dies Form der Viehwirtschaft ist mehr als Arbeit – sie ist auch heute noch eine kultische Handlung, die durch ihre Einbindung in den Alltag und den Lebensraum der Menschen religiösen Charakter hat.

Haids geliebte und gescholtene Heimat: Das Ötztal. Gemälde von Albin Egger-Lienz (Directmedia/Wikipedia)

Haids geliebte und gescholtene Heimat: Das Ötztal. Gemälde von Albin Egger-Lienz (Directmedia/Wikipedia)

Das Leben im Gebirge ist für Hans Haid, der zunehmenden Oberflächlichkeit und Geschwindigkeit zum Trotz, noch immer religiös bestimmt. Aber nicht christlich und – und das ist eine große Entdeckung Haids – auch nicht gewalttätig:
„Die Bergler haben niemals Krieg geführt. Solange unsere geschichtlichen Quellen zurückreichen,, sind sie niemals auf ihre Nachbarn losgegangen. Sie haben immer nur ihre Felsennester verteidigt, ihre kargen Bergtäler zu schützen versucht“ (Hans Haid, „Mythos und Kult in den Alpen“, Seite 9).

Sein Triathlon hat uns in vielen Bereichen einen Spiegel vorgehalten. Er zeigt uns jedoch auch Auswege. Wir müssen uns aber selber auf den Weg machen, das ist eine der Erkenntnisse aus Haids Leben und Forschen. Diesen Weg kann uns niemand abnehmen.

 

Sall wöll, Hans Haid!

Tradition: nicht rückständig, aber auch nicht romantisch. Foto: Wikipedia/Deutsche Fotothek

Tradition: nicht rückständig, aber auch nicht romantisch. Foto: Wikipedia/Deutsche Fotothek

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.